Organisatorisches

 

Reiseplanung

Wenn du ein erfahrener Weltenbummler bzw. eine versierte Globetrotterin bist, dann können wir dir nicht viel Neues übers Reisen erzählen. Für die Reise-Novizen folgendes: Du kannst einen Reiseverlauf penibel genau planen oder alles dem Zufall überlassen. Gehörst du zu der Kategorie der Planer, dann können wir dir versprechen, dass vermutlich kein einziger Reisetag so verläuft, wie du dir das vorstellst. Die Kombination der beiden Extreme scheint uns am vielversprechendsten: einen groben Plan, wo es hingehen soll, und offen sein für Überraschungen und sich bietende Möglichkeiten. Mach dir vorab Gedanken, wie du reisen willst: organisiert und begleitet durch Reiseveranstalter oder selbstständig? Als Backpacker - zu Fuss, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zur Überbrückung grösserer Distanzen auch mal per Flugzeug? Mit dem eigenen Fahrzeug? Oder gehörst du zu den toughen Girls und Boys, die ausschliesslich auf Schusters Rappen und per Anhalter reisen?

Bei grosser Erlebnislust aber beschränktem Zeithorizont bietet sich ein Round-the-World-Ticket an; der Löwenanteil der Transportkosten ist bei Reiseantritt beglichen, die Reisedestinationen sind bekannt und die Flüge reserviert. Bei kleinerem Budget aber entsprechend offenem Zeithorizont wird weniger die Planung im Vordergrund stehen als vielmehr das Ergreifen sich spontan ergebender Möglichkeiten (Einladungen neuer Bekanntschaften annehmen, an einem Event teilnehmen, ein spannendes Projekt verfolgen, etc.). Das langsame Vorwärtskommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die langen Wartezeiten an Bahnhöfen belohnen mit Kontakten zu einheimischen Mitreisenden und schonen den Geldbeutel.

Frag dich auch, ob du vor allem Sehenswürdigkeiten “abhaken” oder ob du bestimmte Erfahrungen machen und Abenteuer eigenhändig erleben möchtest: beispielsweise Lachsfischen in Alaska, Gold schürfen am Yukon, Schafe scheren in Neuseeland oder mit Tausenden von Pilgern in den Ganges tauchen beim Kumbh Mela. Ob du den Fussstapfen der grossen Entdecker folgst oder ob du dich einfach treiben lässt - die Möglichkeiten sind fast grenzenlos. Weitere Inspiration findest du auf den folgenden Webseiten von Reise- und Reisevortragsveranstaltern: Globetrotter Travel Service und Explora.

Zu den ungefähren Reisekosten: in Südostasien und Südamerika kommt man mit rund 1’000 Dollar pro Person und Monat durch. In Europa, Amerika, Australien oder Japan muss, je nach Reiseart, mit dem doppelten bis dreifachen Betrag gerechnet werden. Dabei schränken die Übernachtungskosten am meisten ein. Wenn Du Reisestrecken im Bus oder Zug über Nacht bewältigst, Couchsurfing machst oder das eigene Zelt dabei hast, kannst du ordentlich Geld sparen. Gönnst du dir zwischendurch mal etwas luxuriösere Unterkünfte und Restaurantbesuche und leistest dir Flüge anstelle der öffentlichen Transportmittel (oder dem eigenen Fahrzeug), dann wird dein Budgetbedarf schnell ansteigen. Wenn wir Staub und Dreck und das einfache Leben mal überdrüssig sind, buchen wir ein Zimmer oder eine ganze Wohnung mit sanitären Anlagen, Internetanschluss und TV über Airbnb. So geniessen wir Luxus im privaten Ambiente und bringen etwas Devisen unter die lokale Bevölkerung.
Zu den eigentlichen Reisekosten müssen die Kosten für Versicherungen hinzugerechnet werden. Diese machen in unserem Fall rund einen Viertel des Gesamtbudgets von rund 3000 $ pro Monat aus. Das übrige Budget verteilen wir etwa gleichmässig auf Benzin & Wartung, Verpflegung sowie Stellplätze bzw. Übernachtung & Sightseeing (Parkfees, Guides, etc.).


Nun zu den administrativen Vorbereitungen …

Wohnung & Haushalt

Hausrat Wir überlegten uns, die elementarsten Möbel wie Bett, Kleiderschrank und Esstisch einzustellen. Da wir die Dauer unserer Abwesenheit weder einschätzen können noch wollen und auch eine kleine Raumeinheit in einem Möbellager mindestens CHF 100.- monatlich beträgt, haben wir beschlossen, alle Gegenstände zu verkaufen bzw. zu verschenken. Alles, bis auf einige wenige Stücke der Kategorie “Love it”. Interessantes Detail am Rande: vor der finalen Räumungsaktion besitzen wir als DINK-Haushalt rund 2’000 Dinge - der europäische Durchschnitt beträgt 10’000 Dinge pro Person! Unser erklärtes Ziel, die Reise ohne Unnötiges zu starten und unseren Bestand auf rund 10% zu reduzieren, haben wir erreicht. Wir hatten an einem Wochenende eine “Gant & Grill” veranstaltet, zu der wir Familie, Freunde und Bekannte einluden. So konnten wir alle nochmals sehen, aufs Leben prosten und sind nebenbei den Grossteil unseres Hausstandes losgeworden.

Abmelden Gemeinde Wer das Land für mindestens sechs Monaten verlässt, respektive absehbar seinen Lebensmittelpunkt ausserhalb der Schweiz sucht, muss sich beim Einwohneramt seiner Gemeinde abmelden. Diese Regelung gilt nicht für Ausreisende mit Eigenheim in der Schweiz. Wer weiterhin Einkommen generiert, sollte zwecks Abklärungen der Bedingungen das Steueramt frühzeitig kontaktieren. So oder so müssen bis zum Zeitpunkt der Abreise sämtliche Steuerschulden beglichen werden. Da wir uns als Reisende in absehbarer Zeit nirgendwo niederlassen werden, gelten wir offiziell als “Weltenbummler” - was für eine herrliche Bezeichnung.

Abmelden Post Wichtig hier, vorab alle möglichen (ungefragten) Kundenzeitungen und Magazine abbestellen. Dann eventuell einen Umleitungsauftrag an eine Person deines Vertrauens (Mami, Freunde, Treuhänder) oder aber die Post beauftragen, sämtliche Briefsendungen zu scannen. Diese können dann bequem online gelesen und beantwortet werden.

Kündigungen Wir haben eine Liste mit zwei Spalten erstellt. In der linken Spalte sind alle kostenpflichtigen Mitgliedschaften (Vereine, Verbände), Abonnemente (z.B. Internet und Mobile) und Verträge (Versicherungen) aufgeführt. Diese müssen frühzeitig und fristgerecht gekündigt werden - in der Regel auf Ende eines Kalenderjahres. In der rechten Spalte werden sämtliche Newsletter, Werbezeitschriften und ähnliches erfasst. Diese können zwar jederzeit gekündigt werden, es lohnt sich aber, dies frühzeitig zu erledigen. Onlinedienste und Netzwerke sind nach unserer Erfahrung nicht überall und jederzeit verfügbar und wird sind froh um jede Mail, die wir nicht erst aufrufen und gegebenenfalls löschen müssen.

 

Finanzen

Bargeld Flüssig zu sein ist vor allem beim Reisen unverzichtbar. Die meisten Länder ausserhalb von Europa, Nordamerika, Japan, Australien oder Neuseeland bieten, abgesehen von den grösseren Ballungszentren, keine Infrastruktur für Bezahlung oder Bargeldbezug via Kredit-, Debit- oder Travel Cash Cards (die die früheren Travellers Cheques abgelöst haben). Da auch Dollarnoten nicht überall gern gesehen werden, ist es wichtig, einen Stock an lokaler Währung bei sich zu haben. Das Bare soll dir die Zeitspanne bis zum Erreichen der nächsten Grossstadt überbrücken helfen.

Vollmachten Eine Person deines Vertrauens sollte die Vollmacht über dein Bankkonto haben. Bist du aus irgendeinem Grund nicht mehr handlungsfähig, kann diese die notwendigen Geldtransaktionen in die Wege leiten (z.B. im Falle eines notfallbedingten Spitalaufenthalts mit Vorauskasse).

AHV und betriebliche Vorsorge Wenn du auf unbestimmte Zeit unterwegs bist und keinen festen Wohnsitz im Ausland hast, kannst du dir die Pensionskassengelder (2. Säule) nicht auszahlen lassen, selbst wenn du nachweislich die Schweiz verlässt. Du kannst die Gelder entweder bei deiner aktuellen Vorsorgestiftung “parken” oder ein bzw. maximal zwei verschiedene Freizügigkeitskonti bei einer Bank oder Versicherung deiner Wahl einrichten. Banken und Versicherungen bieten verschiedene Lösungen an - es lohnt sich, Vergleiche anzustellen. Die Gelder können auch in Fonds, sog. Wertpapiersparen, angelegt werden, womit eine reelle Chance besteht, dass du bei Auflösung des Kontos (bei Pensionierung oder bei Rückkehr in eine Erwerbstätigkeit) tatsächlich mehr Geld besitzt als vor Antritt der Reise. Denk auch daran, dich bei der Sozialversicherungsanstalt deines Wohnkantons als “Nichterwerbstätig” zu melden. Du bezahlst deine AHV-Beiträge dann anhand deines Vermögens und vermeidest so Beitragslücken.

 

Vorsorgeauftrag & Co.

Vorsorgeauftrag Per 1. Januar 2013 wurde in der Schweiz das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht eingeführt – mit weitreichenden Folgen für alle, die sich nicht entsprechend vorbereiten. Solltest du beispielsweise aufgrund eines Unfalls urteils- und damit handlungsunfähig werden und hast keine Regelung mittels Vorsorgeauftrag getroffen, dann bestimmt die KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) über dein weiteres Leben und nicht einmal dein/e Ehepartner/in hat da etwas mitzureden. Mit einem Vorsorgeauftrag kannst du bestimmen, wer im Bedarfsfall für dich und deine Interessen eintritt. Bei einem Vorsorgeauftrag müssen bestimmte Formalitäten berücksichtigt werden, wir haben daher die Beratung durch einen Profi beansprucht.

Patientenverfügung Mittels Patientenverfügung kannst du für den Fall deiner Urteilsunfähigkeit eine Vertretungsperson ermächtigen, die deine Wünsche betreffend Reanimation und lebenserhaltende Massnahmen sowie Organspende berücksichtigt und im Ernstfall gegenüber dem Behandlungsteam durchsetzt. Weitere Informationen und Formular zum Download auf der Seite der FMH.

Testament Möchtest du im Todesfall bestimmte Personen oder Institutionen begünstigen, dann musst du ein handgeschriebenes Testament verfassen. Weitere Infos findest du auf ch.ch.

Wichtige Dokumente & Passwörter Bewahre sämtliche Dokumente so auf, dass sie im Bedarfsfall schnell gefunden werden. Zusätzlich solltest du Kopien sämtlicher Dokumente bei einer Person deines Vertrauens hinterlegen. Wir haben ausserdem Checklisten mit den wichtigsten Infos erstellt und diese in elektronischer Form abgespeichert und hinterlegt: eine Passwortliste, ein Verzeichnis unseres digitalen Nachlasses (Bilder, Texte, Logos, etc.), ein Verzeichnis der Versicherer mit Policen sowie unserer Bankverbindungen, ein Kontaktverzeichnis mit Angaben, wer in welchem Fall zu verständigen ist, und zuletzt ein Verzeichnis mit allen schweizerischen Landesvertretungen auf unserer Reiseroute. Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte ausserdem ein Verzeichnis der Medikamente anlegen, die Kontaktadresse des behandelnden Arztes aufführen und alle benötigten Rezepte mitführen. Wiederum für Alle wichtig sind der Blutgruppenausweis, der Impfausweis sowie gegebenenfalls der Brillenpass.

 

Versicherungen

Für welche Fälle du dich versichern solltest:

Reise- bzw. Kranken- und Unfallversicherung Wir dachten lange, wir könnten uns mittels einer internationalen Reiseversicherung kostengünstig gegen die finanziellen Folgen von Krankheit und Unfall versichern. So ist das auf vielen Webseiten von Weltreisenden nachzulesen. Also orderten wir einige Offerten. Was uns beim Durchlesen der AGB verunsicherte, war der Umstand, dass die Kostenübernahme für ambulante Spitalaufenthalte sehr hoch veranschlagt wird, stationäre bzw. Rehabehandlungen aber nur marginal gedeckt sind. Der Verdacht einer baldigen Abschiebung bzw. Repatriierung ins Heimatland liegt da nahe, zumal Leistungen im Heimatland nicht versicherbar sind. Wenn wir allerdings pflegebedürftig und unversichert in die Schweiz zurückkehren müssten, könnten wir unter Umständen zur Bezahlung der verpassten Versicherungsbeiträge an die schweizerische Grundversicherung aufgefordert werden. Das wäre eine unschöne Situation. Nun hat sich die Frage nach der richtigen Reiseversicherung nach viel Recherche und einigen Telefonaten, unter anderem mit dem Bundesamt für Gesundheit BAG, erübrigt: Es spielt keine Rolle, ob man sich in der Schweiz abmeldet, solange man keinen festen Wohnsitz im Ausland nimmt, bleibt man dem schweizerischen Krankenversicherungsgesetz unterstellt und damit der obligatorischen Krankenversicherung (Grundversicherung). Die Grundversicherung deckt Notfälle im Ausland und mit einer Zusatzversicherung kann man sich über die Grundleistungen hinaus versichern (sinnvoll beispielsweise bei längerem Reiseaufenthalt in den U.S.A.).

Krisenhilfe im Notfall bietet die Genossenschaft für Schweizer im Ausland, die soliswiss. In Fällen von Festnahme, Enführung, politischer Bedrohung, Anschlägen und Gewaltverbrechen verspricht die soliswiss mit ihrem Plan b Upgrade schnelle Hilfe durch Spezialisten vor Ort.

Haftpflichtversicherung Ebenfalls über die soliswiss wurde es uns möglich, eine internationale Privathaftpflichtversicherung bei der HanseMerkur Reiseversicherung abzuschliessen.

Diebstahlversicherung Eine Reiseversicherung, die für die hohen Kosten der Wiederbeschaffung unseres digitalen Equipments aufkäme, haben wir nicht gefunden. Wollten wir eine ausschliessliche Diebstahlversicherung haben, dann müssten wir jedes einzelne Teil abschliessend benennen. Die Prämien dafür sind relativ hoch. Wir haben uns deshalb für die preisgünstigere Variante einer “Hausratversicherung (Grunddeckung für die wenigen, in der Schweiz eingelagerten Dinge) mit einfachem Diebstahl auswärts” entschieden.

Rechtsschutz Wir wollen unsere Rechte möglichst geschützt wissen. Leider offeriert unsere Rechtschutzversicherung Dextra ihre Leistungen nur für demokratische und sogenannt rechtsstaatliche Nationen. Das schliesst wohl einige Länder auf unserer Route aus.

REGA Als regelmässige Berggänger sind wir seit vielen Jahren Mitglied bei der Schweizerischen Rettungsflugwache REGA. Für Reisende empfielt sich die Mitgliedschaft, da die REGA im Notfall den Rücktransport in die Schweiz organisiert. Kleiner Beitrag mit grosser Wirkung!

Schweizer Paraplegiker-Stiftung Bei Querschnittslähmungen infolge eines Unfalls unterstützt die Schweizer Paraplegiker-Stiftung mit Sitz in Nottwil LU rasch und unkompliziert mit CHF 250’000.-. Mitglied können alle werden, auch solche mit Wohnsitz im Ausland. Wir haben beide eine Mitgliedschaft in der Hoffnung, diese nie beanspruchen zu müssen.

 

Fahrzeugpapiere

Carnet de Passages Um mit dem eigenen Fahrzeug einreisen zu können, wird in einigen Ländern ein spezielles Zolldokument verlangt: das Carnet de Passages. Damit soll sichergestellt werden, dass das Fahrzeug auch wieder ausgeführt wird, weil sonst Importgebühren fällig würden. Der Touring Club Schweiz (TCS) hat uns ein solches CdP ausgestellt. Allerdings wird hierfür eine Kaution verlangt. Diese kann je nach bereistem Land bis zum fünffachen des Fahrzeugwertes betragen. Entsprechend tief haben wir den Fahrzeugwert veranschlagt und für eine Solidarbürgschaft bei unserer Hausbank nachgefragt.

Internat. Führerschein Der internationale Führerschein ist in praktisch allen aussereuropäischen Ländern Pflicht. Beim TCS kann ein solcher unkompliziert beantragt werden. Zusätzlich muss in einigen Ländern (z.B. Japan) noch eine lokale Übersetzung vorliegen, damit man fahrberechtigt ist.

Pannenhilfe Bist du in der Schweiz abgemeldet, kannst du leider nicht mehr auf die Pannenhilfe und den Reiseschutz (ETI-Schutzbrief) des TCS zugreifen. Für diese Leistungen musst du einen Automobilclub des entsprechenden Reiselandes kontaktieren. Gewisse Kreditkartenunternehmen garantieren Reiseversicherungsleistungen (medizinische Reise-Assistance, Reiseannullierungskostenversicherung, Gepäckversicherung, etc.), sofern Flüge, Hotels, Mietwagen, usw., mit der Kreditkarte bezahlt wurden.

Auf der Website des TCS sind übrigens detaillierte Reiseinformationen zu fast allen Ländern abrufbar - vor allem für Selbstfahrer ein echter Gewinn.